Gedanken an Walter Häfner

Foto: Karl Heinz Bleß
 

Im Alter von 92 Jahren ist Walter Häfner am 17. Januar gestorben. Adjektive wie sozial, zuverlässig und ehrlich passen zu dem Gewerkschafter und Sozialdemokraten aus Überzeugung sehr gut. Das Leben der Menschen besser machen und für soziale Gerechtigkeit einzutreten, waren seine Ziele. Er war ein Mann des klaren Wortes, redete nicht um den heißen Brei herum, sondern „gerade heraus“.

 

Aufgewachsen in äußerst bescheidenen Verhältnissen, machte er nach der Volksschule eine Ausbildung zum Dreher bei der Deutschen Baryt-Industrie (DBI). Im Zweiten Weltkrieg geriet er in Gefangenschaft, arbeitete anschließend zwei Jahre in der Landwirtschaft und danach bis 1971 weiter bei der DBI. Er gründete die Gewerkschaftsjugend und 1952 das DGB-Ortskartell, dessen Vorsitzender er 25 Jahre lang war und dem er bis zuletzt die Treue hielt. Engagiert kämpfte er für die Arbeitnehmerrechte.

Als Sozialdemokrat arbeitete Walter Häfner ab 1956 15 Jahre lang im Rat mit und zählte da zum „Gewerkschaftsflügel“. In der Partei wurde er Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmer (AfA), die damals recht einflussreich war. Legendär ist seine Zeit als Vorsitzender des städtischen Bauausschusses, immerhin zwölf Jahre lang. Sehr straff zog er die Sitzungen durch: diskutieren ja, lamentieren nein.

Seine Ratstätigkeit beendete Häfner, als er 1971 von der DBI zur Stadt wechselte. 17 Jahre lang leitete er anschließend den städtischen Bauhof. Von 1972 bis 1976 war er Abgeordneter des Kreistages Osterode.

Kaum hatte er seine Berufstätigkeit beendet, trat er in den Sozialverband ein, der damals noch Reichsbund hieß. Der Sozialverband setzt sich vor allem für das Recht der „kleinen Leute“ im Sozialbereich ein. Schon ein Jahr später saß er im Vorstand und arbeitete dort 26 Jahre lang mit, von 1994 bis 1998 sogar als deren Vorsitzender.

Bis zuletzt war Walter Häfner politisch wach, interessierte sich für alle Entwicklungen in der Stadt, im Kreis und in der Welt, insbesondere für die Politik aus Sicht der einfachen Menschen. Da verwundert es nicht, dass er, solange es ihm möglich war, die Mitgliederversammlungen von SPD, Gewerkschaft und Sozialverband besuchte und sich auch mit unbequemen Fragen zu Wort meldete. Für 60 Jahre Parteizugehörigkeit ehrte ihn SPD-Ortsvereinsvorsitzender Uwe Speit im Dezember 2015, der ihn als seinen politischen Ziehvater sieht.

Kurz: „Walter Häfner war ein aufrechter Sozialdemokrat, der unbeirrt zu den Werten der SPD stand und auf den man sich hundertprozentig verlassen konnte“, sagte ein politischer Weggefährte. Oder, wie er es selbst sagte im Anblick einer roten Rose in seinem Garten: „Rot, wie die Gesinnung.“

Karl Heinz Bleß