SPD Bad Lauterberg und Ulrike Witt besuchen die Deutsche Baryt-Industrie

Gruppe von SPD-Kommunalpolitikern mit Sicherheitswesten und Helm vor einer historischen Lore mit Schwerspat-Gestein auf dem Werksgelände der Deutschen Baryt-Industrie in Bad Lauterberg
v.l.n.r.: Dr. Benjamin Schöpf (Geschäftsführer), Petra Schultheis, Nils Gehrke, Dr. Ulrike Witt, Uwe Steinkamm (Werksleiter), Robert Mauerlechner (Geschäftsführer), Dunja Göllnitz, Uwe Speit, Tamara Morich und Wolfgang Tölle. Foto: Paul Bennewitz

Die Stärkung der heimischen Wirtschaft, der Erhalt zukunftsfähiger Industriearbeitsplätze sowie der Abbau bürokratischer Hürden standen im Mittelpunkt eines Informationsbesuchs der SPD Bad Lauterberg bei der Traditionsfirma Deutsche Baryt-Industrie Dr. Rudolf Alberti GmbH & Co. KG. (DBI) Das heute zur Unternehmensgruppe Sachtleben Minerals gehörende Werk ist seit vielen Jahrzehnten ein zentraler Pfeiler der regionalen Wertschöpfung.

An dem Unternehmensgespräch nahmen SPD-Bürgermeisterkandidat Nils Gehrke, Landratskandidatin Ulrike Witt sowie die Kandidierenden für den Stadtrat Uwe Speit, Petra Schultheis, Dunja Göllnitz, Wolfgang Tölle und Tamara Morich teil. Gemeinsam mit Geschäftsführer Dr. Benjamin Schöpf und Robert Maucherlechner, sowie Werksleiter Uwe Steinkamm erörterten die Kommunalpolitiker die aktuellen Herausforderungen und Zukunftschancen des Industriestandorts im Harz.

Eckdaten & Fakten zur DBI

  • Mitarbeiter & Umsatz: 35 hochqualifizierte Beschäftigte erwirtschaften einen Jahresumsatz von rund 18 Millionen Euro.
  • Produktionsvolumen: Verarbeitung von ca. 28.000 bis 31.000 Tonnen Schwerspat (Baryt) pro Jahr.
  • Spezialisierung & Qualität: Höchstmögliche Produkthelligkeit und zielgenaue Körnung; eigenes Lacklabor für kundenspezifische Rezepturen und Anwendungsberatung (ca. 14 Standardprodukte).
  • Einsatzbereiche: Füllstoffe für Lacke, Farben, Automobil-Schallschutz sowie Strahlenschutz.
  • Eigenstromerzeugung: Ca. 40 % Eigenstrom aus eigener Wasserkraft an der Oder/Oderfeld, ergänzt durch 15–20 % Fotovoltaik.

Tradition und moderne Hochtechnologie aus dem Harz

Seitdem mit der Schließung der Grube „Wolkenhügel“ 2007 kein eigener Schwerspat mehr abgebaut und der Rohstoff überwiegend im Import (hauptsächlich aus China) beschafft wird, nimmt der Standort eine Spitzenposition in der Veredelung ein. Nur die DBI schafft es, den Schwerspat auf eine extrem hohe Helligkeit und Reinheit zu bringen und die Korngröße exakt zu steuern. Dadurch sind die Lauterberger Produkte rund um den Globus unverzichtbar geworden für die Lack- und Farbenindustrie sowie für moderne Schallschutzkomponenten im Automobilbau.

„Die Deutsche Baryt-Industrie beweist eindrucksvoll, wie aus einem traditionellen Harzer Bergbaubetrieb ein hochspezialisierter verarbeitender Betrieb geworden ist“, so Nils Gehrke, Bürgermeisterkandidat der SPD, und ergänzt: „Dass von hier der weißeste Baryt der Welt stammt, lässt schon ein bisschen lokalen Stolz aufkommen. Vor allem lässt es einen aber noch mal ganz anders auf das Werk blicken, an dem man täglich vorbeifährt.“

Energiewende vor Ort: Eigenstrom, Wasserkraft und Talsperrensteuerung

Ein weiteres Thema des Austauschs war die Energieversorgung. Die Deutsche Baryt-Industrie geht bei der klimaschonenden Produktion bereits voran: Rund 40 Prozent des Strombedarfs werden über eine eigene Wasserkraftanlage an der Oder generiert, weitere 15 bis 20 Prozent liefert die betriebseigene Photovoltaikanlage. Der verbleibende Energiebedarf wird derzeit überwiegend noch über Gas gedeckt, wobei über die vollständige Elektrifizierung der Prozesse bereits nachgedacht wird.

Verbesserungsbedarf sieht die Unternehmensleitung jedoch bei der Wasserwirtschaft der örtlichen Talsperren. Durchflussmengen mit weniger starken Schwankungen könnten den Anteil der eigenen Wasserkraft am Strommix noch steigern. Derzeit gebe es häufig Phasen mit zu wenig Wasser, die dann von Perioden mit einem viel zu hohen Durchfluss abgelöst würden.

„Die Kombination aus Wasserkraft und Solarstrom bei der DBI ist eindrucksvoll für die regionale Energiewende. Auf Ebene des Landkreises müssen wir dafür Sorge tragen, dass die Rahmenbedingungen – wie die Steuerung von Wasserläufen und Genehmigungsprozesse für erneuerbare Energien – Hand in Hand mit den Bedürfnissen unserer Industrie entwickelt werden“, betont Dr. Ulrike Witt, Landratskandidatin der SPD im Landkreis Göttingen.

Entlastung von Bürokratie und pragmatischer Umweltschutz

Bei der abschließenden Diskussionsrunde erörterten die Teilnehmer eindringlich auch die steigenden bürokratischen Hürden. Komplex gestaltete Förderprogramme, und doppelte Meldepflichten über unterschiedliche Portale belasten mittelständische Betriebe im Allgemeinen erheblich. Kosten für Altlastenmonitorings bei den Gruben belasten die DBI darüber hinaus im Besonderen. Auch bei Umweltauflagen, etwa Richtlinien zum Fischschutz und Fischaufstieg an Wasserläufen, bedarf es nach Ansicht der Kommunalpolitiker mehr Pragmatismus und Verhältnismäßigkeit im Sinne des Standorterhalts.

Die SPD-Delegierten sagten dem Unternehmen eine enge Unterstützung zu. Die Stärkung der Landkreiswirtschaftsförderung, die Beschleunigung von Verwaltungsverfahren und der Ausbau der Infrastruktur bleiben Top-Prioritäten der sozialdemokratischen Kommunalpolitik. Reich an neuen Erkenntnissen, Kontakten und Erfahrungen, verabschiedete sich die Delegation und dankte der Werksleitung für diesen überaus fruchtbaren Austausch und den herzlichen Empfang.